CSS Versicherung Hoch-Ybrig Renault Stöckli Ski

Zürcher Skiverband

< Zurück

Eine Mattenschanze hat gegenüber einer konventionellen Sprungschanze den entscheidenden Vorteil, dass auf ihr auch ausserhalb der immer kürzer werdenden Schneesaison gesprungen werden kann. Dabei ist die 60-Meter-Schanze in der Nachwuchsförderung von zentraler Bedeutung: Nachdem die Kinder auf der 30-Meter-Schanze erste Flugversuche erfolgreich bestanden haben, lernen sie auf der 60-Meter-Schanze über weitere Strecken zu springen. Nur so werden sie eines Tages auf 90 Meter und später auf der Grossschanze mit 120 Meter springen.

Bisher Trainings im Ausland

Wenn Kinder dieser Tage allerdings in die Skispringerei einsteigen wollen, so ist dies ein sehr zeitintensives Unterfangen: Mangels eigener Mattenschanze ist der SC am Bachtel nämlich gezwungen, für Trainingswochen nach Deutschland und Österreich zu fahren.

Um diese Mängel in der Infrastruktur am Bachtel zu beheben, wurde Kurt Trachsler aktiv. Nach einer langen aktiven Skisprungkarriere in den fünfziger Jahren und einer noch längeren Trainerlaufbahn gehört er zu den unermüdlichen Förderern des Zürcher Oberländer Skisprungsports. Bereits 1991 gab er den Anstoss zum Bau einer neuen Mattenschanze am Standort der alten Sprungschanze nahe Orn am Bachtel. Bald waren Mitstreiter gefunden und ein Komitee gegründet worden. Doch das sollte erst der Anfang eines langen und schwierigen Weges sein.

Früher ein Publikumsmagnet

Die alte Sprungschanze am Bachtel ist ein Relikt aus dem Jahr 1931. Damals florierte der Skisprungsport im Zürcher Oberland: Bis zu 3000 Personen reisten jeweils mit Extrazügen an die Wettkämpfe und brachten bis zu (für damalige Verhältnisse sagenhafte) 900 Franken in die Vereinskasse. Auch nationale und internationale Wettkämpfe wurden ausgetragen, bei denen illustre Gäste aus aller Welt antraten. Unter ihnen war auch der Engländer Eddie "The Eagle" Edwards, der wohl schlechteste, aber humorvollste Skispringer aller Zeiten. "Das Profil der alten Schanze war sehr gut. Der Auslauf war hingegen schräg, und mit den neuen Bindungen rutschten die Springer im Ziel aus", sagt Kurt Trachsler.

Rekurs gegen erste Pläne

Also war es an der Zeit, eine neue Schanze zu konzipieren. Bald waren die Pläne fertig, worauf der Naturschutzverband sofort rekurrierte. Der Rekurs wurde vom Kanton zwar abgelehnt, allein dafür gingen aber schon die ersten eineinhalb Jahre ins Land. Schliesslich war es so weit: "Alle Bedingungen, die uns gestellt wurden - und das waren nicht wenige -, haben wir erfüllt."

Doch kurz vor Baubeginn kam für das Sprungschanzenkomitee der Todesstoss: Das Komitee hatte nicht bemerkt, dass das Land rund um die Sprungschanze, früher in Gemeindebesitz, in der Zwischenzeit verkauft worden war. Die neuen Besitzer dachten nicht daran, eine Baubewilligung auszugeben. Investitionen von 150 000 Franken und Tausende Stunden Fronarbeit waren vergebens gewesen.

Mit dem Bau begonnen

Doch Kurt Trachsler gab die Hoffnung noch nicht auf. Im Jahr 2001 wurde eine Genossenschaft unter der Leitung des Gossauer Gemeindepräsidenten Jörg Kündig ins Leben gerufen, welche in Gibswil statt in Orn eine komplett neue sommertaugliche Sprungschanze realisieren sollte.

Nach vier weiteren Jahren mit vielen Sitzungen und Kämpfen mit den Behörden war es nun dieser Tage mit dem Spatenstich in Gibswil (Fischenthal) so weit: Das Oberland erhält eine moderne Mattenschanze und damit die Möglichkeit zur konsequenten Nachwuchsförderung. An den Baukosten beteiligt sich der Kanton Zürich zu zirka 40 Prozent, im Betrieb muss die Sprungschanze dann aber finanziell unabhängig werden.

Kurt Trachsler selbst zieht sich nun langsam, aber sicher zurück. Das Trainieren der ganz Kleinen macht ihm aber immer noch grossen Spass. "Ich habe Tausenden von Kindern das Springen beigebracht. Jetzt haben wir ein sechsjähriges Mädchen, das bereits springt, und wir haben Zehnjährige, die schon bald 90 Meter springen werden."

Der Skisprungsport begleitet Kurt Trachsler bereits seit seinen frühen Jugendjahren. Seit damals, als er mit seinen Kameraden in Ermangelung eines Skilifts begann, Schneeschanzen zu bauen. Zwei Tage voller schweisstreibender Arbeit führte damals zu einer brauchbaren Schanze, die aber bald wieder der Schneeschmelze zum Opfer fiel.

Nun jedoch hat seine Hartnäckigkeit zum Spatenstich in Gibswil geführt und dem Zürcher Oberland ein mächtiges Werkzeug zur Förderung junger Skispringertalente in die Hände - oder eben unter die Ski - gegeben.